Ensemble Was
bedeutet der Name „Le Goût
Étranger“ ?
„Le
Goût Étranger“ – der fremde
Geschmack – ist ein musikalischer Stilbegriff des barocken
Frankreich, dem sich das Ensemble „Le Goût
Étranger“ in besonderer Weise verbunden
fühlt. In dieser Zeit, dem 17. und 18. Jahrhundert,
entwickelte sich ein Empfinden für den nationalen Charakter
musikalischer Stile, besonders in Italien, wo man sich vornehmlich am
Gesang orientierte, und in Frankreich, wo der höfische
Gesellschaftstanz im Vordergrund stand. In Deutschland bezog man sich
auf diese beiden Vorbilder, und stellte viele Musiker aus Italien und
Frankreich an Opernhäusern und Fürstenhöfen
ein. Deutsche Komponisten verbanden beide Stile zum „vermischten
Geschmack“ (laut Quantz,
der diesen auch den „deutschen Geschmack“ nennt)
oder wechselten zwischen den verschiedenen Stilen (wie z.B. Georg
Philipp Telemann).
Dem
Sonderbaren und Gegensätzlichen der unterschiedlichen Stile in
der Barockmusik gilt auch das besondere Interesse des Ensembles.
Schwerpunkte der Ensemblearbeit sind sowohl das französische
Barock (die Zeit des Sonnenkönigs und seiner Nachfolger) als
auch der stilistische „Allround“-Komponist Telemann
(der außer im französischen und italienischen z.B.
auch im polnischen Stil schrieb). Mit dem Einsatz von Instrumenten, die
heute ebenfalls „sonderbar“ wirken mögen,
wie Musette und Vielle (Drehleier), hat „Le Goût
Étranger“ auch die sog.
„Champêtre“-Musik im Repertoire, die
„Schäferromantik“, die sich im Sinne des
Rousseau´schen „Zurück zur
Natur“ beim Adel des vorrevolutionären Frankreichs
großer Beliebtheit erfreute. Das
Ensemble „Le Goût Étranger“
wurde 1994 in Frankfurt gegründet, zunächst mit
dem Ehepaar Roswitha Bruggaier und Diez Eichler, sowie dem Lautenisten
Joachim
Klingenfuß. Seit 1996 besteht das Ensemble aus Ite Sonder,
Roswitha Bruggaier und Diez Eichler, 1998 trat Katrin Ebert hinzu. Um
andere Mitglieder erweitert, z.B. Oboisten und zusätzliche
Streicher, tritt „Le Goût
Étranger“ auch in größeren
Kammermusik- und Orchesterbesetzungen auf. 1999 produzierte das
Ensemble seine erste CD und war seitdem im In- und Ausland auch im
Rundfunk zu hören. In den
Konzerten des Ensembles
„Le Goût
Étranger“ werden die Zuhörer mit kurzen
Erläuterungen zwischen den Werken durch das Programm
geführt. Anschließend stehen die Musiker gerne zur
Verfügung, wenn das Publikum die auch optisch reizvollen
historischen Instrumente aus der Nähe betrachten und Fragen
stellen möchte.
Ite Sonder -
Traversflöte
Katrin Ebert -
Barockvioline
Roswitha Bruggaier -
Viola da gamba, Barockvioloncello, Vielle und Violoncello piccolo
Diez Eichler -
Cembalo, Viola da gamba und Barockmusette
Franzosen, die zum Teil erbitterte Diskussionen um den
„wahren Geschmack“ führten, begannen, auch
im italianisierenden Stil zu schreiben, den sie aber als
„goût étranger“, als
ausländischen oder fremdartigen Geschmack bezeichneten. Marin
Marais schrieb eine Suite
für Viola da gamba mit dem Titel „Suitte
d’un goût étranger“,
in der mit „étranger“ nicht nur
„ausländisch“;, sondern - wie z.B. das
„harmonische Labyrinth“ in dieser Suite zeigt -
auch „sonderbar“ gemeint ist. 

Kontaktadresse